Die Heimat von Whisky ist unbestritten Schottland. Allerdings wird Whisky auch immer wieder schnell mit Amerika in Verbindung gebracht. Das typische Bild des Whisky trinkenden Cowboys hat wohl jeder sofort im Kopf, wenn von diesem Getränk die Rede ist. So nehmen die USA heute einen großen Platz im Bereich der Whiskyproduktion ein. Lange Zeit stand dagegen Whisky aus dem nördlichen Nachbarland Kanada ganz im Schatten jener Sorten aus den USA und wurde eher als Geheimtipp gehandelt. Das hat sich mittlerweile geändert. Kanadischer Whisky muss sich keinesfalls mehr hinter dem amerikanischen verstecken. Die Canadian Whiskys sind heute bekannt für ein mild-würziges Aroma und einen weichen Geschmack, was durch spezielle Zutaten und die Lagerung erreicht wird. Kanadischer Whisky zeigt dadurch einen ganz eigenen Charakter, den zu entdecken noch niemand bereut hat.

Die Geschichte

Die Geschichte von kanadischem Whisky ist sehr alt. Es existieren Aufzeichnungen aus dem Jahr 1796, die besagen, dass ein Wiliam Henry aus Manitoba zu dieser Zeit bereits Whisky hergestellt hat. Vermutlich war er jedoch nicht der erste Produzent. Unbekannt ist auch, wann die Whiskyproduktion in der ersten registrierten Destillerie in Quebec effektiv startete. Quebec war seit 1769 für die Destillation von Rum bekannt. Um die Jahrhundertwende von 1800 auf 1900 kamen Schotten und Iren nach Kanada. Schon bald gründeten sie Destillerien im ganzen Land. In Alberta, Quebec, Manitoba und Ontario entstanden ab den 1830ern die ersten industriellen Whiskybrennereien. In den besten Zeiten existierten in Kanada mehr als 200 Destillerien.

Die Prohibition und ihre Folgen

Ein Name, der bis heute untrennbar mit Whisky und Kanada in Verbindung gebracht wird, ist Hiram Walker. Er ließ seine Destillerie in Walkerville in Ontario entstehen und brachte im Jahr 1884 den „Canadian Club“ auf den Markt, der bis heute jedem Whiskytrinker ein Begriff ist. Er war wegweisend für den kanadischen Whisky. Der Erste Weltkrieg sorgte dafür, dass die Whiskyproduktion auch in Kanada untersagt war. Während der Zeit der Prohibition in den USA von 1919 bis 1933 begann man wieder zu produzieren und die Produktionsmengen sogar noch zu steigern. Damals wurde ein großer Teil des Whiskys in die USA geschmuggelt. Der Höhepunkt der Whiskyproduktion war in den 1970ern erreicht. Ab 1980 ging sie wieder zurück. Die Folge war die Schließung von einzelnen Destillerien. Einige kanadische Brennereien wurden von Großkonzernen aus den USA übernommen.

Besonderheiten von kanadischem Whisky

Die kanadischen Whiskys sind in der Regel Blends. Sie sind daher besser als Blended Canadians bekannt. Die Canadians bestehen aus einem Gemisch verschiedener Getreidearten. Diese sind zumeist ungemälzt. Nur wenige Destillerien verwenden gemälzte Gerste, um den Gär- und Fermentierungsprozess zu unterstützen. Im Gegensatz dazu wird in schottischen Malts fast ausschließlich gemälzte Gerste verwendet. Kanadischer Whisky lagert ähnlich wie Scotch für 3 Jahre in Fässern. Die Mehrzahl der Destillate ist jedoch um die sechs Jahre alt. Der Whisky muss nach der Lagerung einen Alkoholgehalt von 40 Prozent aufweisen. Anders als in Schottland dürfen bis zu 2 Prozent Sherry, Fruchtsäfte oder Obstwein zugesetzt werden. Dies soll die Lagerung in Sherryfässern unnötig machen um ein ähnliches Aroma zu erreichen.

500 verschiedene Sorten kanadischer Whisky

Nordamerikanischer Whisky ist leicht, hat eine helle Farbe und ist besonders rein. Hergestellt werden die kandadischen Whiskys aus Mais, Roggen, Weizen und Gerste. In Kanada werden vorwiegend Blends produziert, die aus Destillaten verschiedener Brennereien bestehen. Lediglich Glenora und Still Waters Distillers und Glen Breton und Stalk & Barrel verkaufen Single Malts. Heute existieren rund 500 verschiedene kanadische Whiskysorten. Kanadischer Whisky wird gerne mit Mais hergestellt, dem dann noch Roggenwhisky beigemischt wird. Roggenwhisky gilt als Geschmacksträger und bringt die entsprechende Würze mit. Kanadischer Whisky verfügt über einen sehr anpassungsfähigen Charakter und ist daher vor allem für Mixgetränke und Cocktails äußerst beliebt. Eben diese Gründe machen ihn auch bei Whiskyeinsteigern besonders begehrt.

Rye Whisky

Rye WhiskeyZu einem Qualitätsmerkmal ist die Bezeichnung „Rye Whisky“ geworden. Allerdings täuscht der Name ein wenig, denn wenn „Rye Whisky“ oben steht, heißt das noch lange nicht, dass die Flasche Whisky auf Roggenbasis enthalten muss. Entstanden ist die Bezeichnung vor vielen hundert Jahren. Damals begannen die Brenner ihren Maischen Roggen beizufügen, was dem Geschmack der Kanadier sehr entgegenkam. So verband man fortan kanadischen Whisky mit dem Roggen und kanadischer Whisky darf unter dem Namen „Canadian Rye“ verkauft werden, obwohl kein Roggen enthalten ist.

Aus Kanada sind folgende Whiskyarten bekannt:

  • Malt-Whisky: Single Malt ist in Kanada sehr selten und wird nur vereinzelt hergestellt.
  • Rye-Whisky: Reine Rye-Whiskys sind etwa „Bush Pilot“ oder „Alberta Premium Rye“. Rye Whisky wird kaum in reiner Form abgefüllt. Er wird für Blends verwendet.
  • Corn-Whisky: Mais ist für die Herstellung von Whisky besonders beliebt. Er bringt eine angenehme Süße mit und ist sehr weich. Er wird selten als Single-Corn abgefüllt.
  • Blended-Whisky: In Kanada herrschen Blends eindeutig vor. So bestehen 99 Prozent der Produktion aus Blends. Die verwendeten Whiskys können Roggen-, Gersten-, Weizen- oder Mais-Whiskys sein.

Die bekanntesten Whiskys aus Kanada

Der Canadian Club ist mit Abstand der bekannteste Whisky aus Nordamerika. Ursprünglich bekannt unter dem Namen Hiram Walker’s Club Whisky wird er heute in mehr als 150 Ländern weltweit verkauft. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte mit Hiram Walker, einem erfolgreichen Getreidehändler in Detroid. Im Jahr 1858 startete er in einer Brennerei in Walkerville am Detroit River in Ontario die Whiskyproduktion. Der „Hiram Walker“ galt als erster Whisky mit eigener Marke und verkaufte sich in ganz Kanada und in den USA. Seine Beliebtheit in den Gentlemen’s Clubs ließen ihn bald zum „Club Whisky“ werden. Später wurde er dann in „Hiram Walker`s Whisky Canadian Club Whisky“ umbenannt, um den neuen Gesetzen betreffend Namensgebung genüge zu tun. Als der Whiskyschmuggel hoch im Kurs stand, war genau dieser Whisky die Nummer eins unter der Schmugglerware. Die Marke Canadian Club wird heute von Beam Suntory vertrieben. Die Brennerei Canadian Club gehört zu Pernod Ricard. Heute ist Canadian Club die erfolgreichste Marke aus Kanada, die bereits mehrere Auszeichnungen mit nach Hause nehmen durfte.

Canadian Club

Der Canadian Club ist ein vielseitiger Whisky, der sich besonders weich zeigt. Von anderen typischen Blends unterscheidet er sich durch das Blending-Verfahren. Für diesen Whisky werden Roggen, Mais, Roggen- und Gerstenmalz separat gemaischt, fermentiert und destilliert. Dann wird bereits jetzt, also vor der Reifung geblendet. Erst dann gelangt der Whisky ins Fass. Auf diese Art kann der Canadian Club seine hervorragenden Aromen entwickeln. Jede einzelne Abfüllung wird nach eigenem Rezept gemischt. So entsteht immer wieder ein neuer Geschmack. Besonders berühmt und meistverkauft ist die Abfüllung „Canadian Club 1858“. Er wird noch genauso produziert wie zu Zeiten von Hiram Walker. Der Whisky ist weich und frisch mit angenehmer Süße, Vanillearoma sowie eigener Würze mit einer Spur Eiche. 12 Jahre lang in ausgekohlten Eichenfässern reift der Canadian Club Small Batch. Er ist komplex und ausgewogen. Honig, Vanille, Früchte und Würze vereinen sich in diesem Whisky perfekt. Einen ausgeprägten und würzigen Charakter zeigt der Canadian Club Chairman’s Select 100 % Rye. Er wird aus 100 Prozent Roggen hergestellt und bietet an Aromen Karamell, Eiche sowie eine einzigartige Cremigkeit.

Black Velvet

Beinahe ebenso bekannt und beliebt wie der Canadian Club ist der Black Velvet. Er war ursprünglich unter dem Namen „Black Label“ bekannt und wurde später aufgrund seiner Geschmeidigkeit auf Vorschlag des Master Destillers in den 1940ern umbenannt. Er wird sehr gerne für Mixgetränke verwendet. Black Velvet Canadian Whisky wurde einst in der berühmten Schenley Destillery in Valleyfield Quebec hergestellt. Im Jahr 1945 war der Start der Produktion und der Schenley’s Black Velvet Deluxe stand während des Zweiten Weltkriegs nur Offizieren der Streitkräfte zur Verfügung. Black Velvet wird seit 1969 mit berühmten Persönlichkeiten den „Black Velvet Ladies“ in Szene gesetzt. Dazu zählten Berühmtheiten wie Cybill Shepard, Kim Alexis, Kelly Emberg und Christie Brinkley. Die Marke ist heute Constellation Brands zugehörig. Der Black Velvet ist mittlerweile ein Blend von Whiskys, die in der Black Velvet Destillery in Lethbridge Alberta produziert werden. Herstellerangaben zufolge ist er der zweitmeist verkaufte Whisky in den USA. Zur Black Velvet Gruppe gehören auch der Red und Golden Velvet, der Regal, der Royal Velvet und der McMasters.

Crown Royal

Der in den USA meistverkaufte kanadische Whisky ist der Crown Royal. Dieser spezielle Whisky wurde von Sam Bronfmam, dem Direktor von Seagram, kreiert. Er entstand anlässlich eines Staatsbesuches von König George VI. und Königin Elizabeth 1939 in Kanada. Die Flaschenform ähnelt nicht umsonst einer Krone. Geliefert wird das Aushängeschild der Marke in einem Samtbeutel. Vom Geschmack ist er weich und angenehm süß mit Roggen- und Eichennote. Bis ins Jahr 1964 war er ausschließlich in Kanada erhältlich. Die Marke ist derzeit im Besitz von Diageo. Produziert wird der Crown Royal in der Crown-Royal-Brennerei Gimli. Sie befindet sich in Manitoba am Ufer des Lake Winnipeg. Im Laufe der Jahre entstanden verschiedene Versionen des Crown Royal. Der Crown Royal Special Reserve wurde im Jahr 1992 eingeführt und erhielt eine Auszeichnung als einer der besten jungen Whiskys. 2008 folgte die neue Version des Crown Royal Special Reserve. In limitierter Auflage wurde der Crown Royal XR auf den Markt gebracht. Er wird bis heute in nummerierten Flaschen verkauft.

Forty Creek

Ein weiterer bekannter kanadischer Whisky ist der Forty Creek, der aus der ehemaligen Kittling Ridge Brennerei stammt. Forty Creek hat nicht wie andere kanadische Sorten eine lange Geschichte und mag auch nicht zu den Spitzenreitern auf dem Markt zählen. Allerdings entsteht in der Forty Creek Brennerei stets authentischer, hochwertiger Whisky, der in limitierter Auflage auf den Markt gebracht wird. Hier wird noch viel in Handarbeit erledigt. Die Brennerei wird bewusst in kleinem Stil gehalten und produziert neben Whisky auch Rum, Brandy, Liköre und Wodka. Heute gehört die Forty Creek Destillery zur Gruppe Campari. Zugpferd der Produktion ist der Forty Creek Copper Pot Reserve Canadian Whisky. Er wurde 2012 erstmals in Verkehr gebracht. Gebrannt in einem Kupferbrennkessel, ähnelt er den klassischen amerikanischen Bourbons. Auch der Forty Creek Barrel Select bietet Genuss mit dem gewissen Extra. Er präsentiert sich mit Sherry-Finishing, süß, holzig aber auch fruchtig. Bei der „San Francisco World Spirits Competition“ holte er im Jahr 2009 Doppelgold.

Fazit

Kanadischer Whisky ist in Deutschland noch ein Underdog – und das zu unrecht. Leicht und angenehm trinkbar hat er zwar nicht immer die Feinheit eines schottischen oder japanischen Whiskies, ist aber ein ernstzunehmender Konkurrent. Speziell die günstigen Preise für solide Qualität sprechen für die Kanadier.