Rauchiger Whisky

Beim Thema rauchiger oder torfiger Whisky scheiden sich oftmals die Geister. Die einen lieben Ihn und sagen Whisky braucht den rauchigen Geschmack – sonst wäre es kein Whisky. Die anderen finden, dass es schmecken würde, als würde man in ein Stück Torf beißen. Dabei gibt es nicht nur diese beiden Extreme – es gibt durchaus rauchige Whiskys, die trotzdem einen sehr feinen Geschmack haben, der Euch nicht noch tagelang auf der Zunge liegen bleiben wird. Ich möchte Euch heute in meinem Post meine drei Lieblings Whiskys mit rauchiger Note vorstellen und erzähle Euch dann noch ein wenig davon, wo der rauchige Geschmack überhaupt herkommt.

Meine drei Favoriten (2017)

Anfangs fand ich extrem rauchigen Whisky überhaupt nicht lecker – nach ein paar Jahren hat sich mein Geschmack aber dahingehend entwickelt, dass ich auch sehr rauchigem Whisky etwas abgewinnen kann – auch wenn milde Whiskies immer noch meine Favoriten sind. Hier jetzt aber meine drei Lieblingswhiskies 2017 mit rauchiger Note:

Platz 1: Ardbeg Uigeadail

Ardbeg Uigeadail
Auf dem ersten Platz landet der ausgezeichnete Ardbeg Uigeadail.

Ein sensationeller rauchiger Whisky, der erstaunlicherweise aber auch süße Noten hat. An der Nase riecht man direkt die starke Rauchnote mit Noten von Tabak und geröstetem Kaffee, aber auch die Süße kommt klar durch - zitrusartig und vor allem sherrylastig.

Vom Geschmack her zeigt sich die typische Ardberg-Süße - natürlich hinter dem klar dominatenten Rauchnote, die sich im ganzen Mund breit macht. Der Akohol ist stark auf der Zunge spürbar, was am hohen Gehalt von 54% liegt. Wer also kann, sollte den Ardberg evtl. etwas verdünnt probieren und sich erst dann an ein unverdünntes Glas wagen. Im Mund bleiben klar Sherry und der rauchige Geschmack zurück.

Der Abgang an sich ist lange, rauchig mit Sherry und sehr aromatisch.

Für mich ist dieser Whisky eine absolute Sensation und eine Offenbarung, was das Thema rauchig-süßen Whisky angeht. Volle 5 Sterne!
Platz 2: Talisker Distillers Edition

Talisker Distillers Edition
Den zweiten Platz meiner drei besten rauchigen Whiskys holt der Talisker Distillers Edition Single Malt Scotch Whisky.

Von der Nase her zeigt sich direkt ein süßer, torfiger Rauch, der sich fast schon als "frisch" beschreiben lässt. Auch eine leicht salzige Note - typisch für Talisker, der Lagerraum für die Fässer liegt mit einer Wand direkt am Wasser - lässt sich erkennen.

Geschmacklich zeigt sich neben dem Rauch eine angenehme Schärfe, die an Chilli oder roten Pfeffer erinnert. Auch eine süßliche Sherrynote und Früchte kommen klar zum Vorschein.

Der Abgang hält lange an und ist dezent rauchig, Noten von dunkler Schokolade und die leichte, angenehme Schärfe sind weiterhin zu schmecken.

Dieser Whisky ist der am wenigsten rauchige meiner drei Favoriten und eigent sich daher meiner Meinung nach auch für Leute, die eher milde Whiskies mit nur leichter Rauchnote bevorzugen. Alles in allem ist der Talisker eine sehr runde Sache und damit ganz klar Platz 2 in meinen Favoriten!
Platz 3: Lagavulin 16 Jahre

Lagavulin 16 Jahre Islay Single Malt
Auf dem dritten Platz landet ein absoluter Klassiker unter den rauchigen Single Malts: der Lagavulin 16.

Für mich war das der erste rauchige Whisky mit dem ich in Kontakt gekommen bin und obwohl ich anfangs nicht ganz überzeugt war muss ich ehrlich sagen, dass ich jedesmal wenn ich ihn trinke Ihn immer besser finde.

An der Nase ist der torfige Rauch sehr dominant, ein wenig Süße lässt sich mit etwas Phantasie auch noch erkennen 😉

Beim Geschmack zeigt der Lagavulin seine eigentliche Stärke: zu keinem Zeitpunkt ist er scharf oder bitter, sondern immer angenehm rauchig, leicht salzig mit ganz wenig Süße von Orangen und Rosinen. Sehr komplex und ausgewogen.

Der Abgang ist auch hier lange, schön ölig mit Aromen von Früchten und Eichenholz. Dominant bleibt aber auch hier der torfige Rauch.

Ein fantastisches Destillat, daher Platz 3 für den rauchigen Whisky aus Islay und eine uneingeschränkte Empfehlung für alle, die es rauchig mögen.

Woher kommt der rauchige Geschmack?

Den rauchigen oder torfigen Geschmack bekommt der Whisky schon im ersten Schritt seiner Herstellung: dem Mälzen. Das Mälzen ist ein Keimvorgang, in dem aus dem geernteten Getreide vom Feld Malz entsteht. Getreide besteht hauptsächlich aus Stärke, die beim Keimvorgang im Zucker umgewandelt wird. Um den Keimvorgang anzustoßen wird das Getreide mit Wasser eingeweicht und auf einem Betonboden ausgebreitet. Das Getreide muss während der vier bis fünf Tage, die der Vorgang des Mälzens dauert, immer wieder gewendet werden. Dies geschieht, damit alle Körner gleichmäßig keimen können und um Schimmelbildung zu vermeiden. Der Keimvorgang wird nach vier bis fünf Tagen gestoppt, indem dem Getreide das Wasser entzogen wird. Um das Wasser zu entziehen wird das Getreide auf der sogenannten Darre – im Endeffekt einem großen Grillrost, heißer Luft ausgesetzt.

In diesem Schritt kommt nun die rauchige Note hinzu: Die hiße Luft zum Trocknen wird traditionell mit einem Feuer erzeugt, der Rauch des Feuers zieht in das Getreide ein. Je nach dem, ob nun Torf oder Holz zum erzeugen dieses Feuer genutzt wird, wird auch später der Geschmack ausfallen. Außerdem lässt sich durch die Größe des Feuers, das gemacht wird steuern, wie rauchig der Whisky später wird. Setzt man das Getreide viel Rauch aus (entweder, indem man ein größeres Feuer macht oder das Getreide einfach lange im Rauch liegen lässt), wird der Whisky rauchiger, wenn man dem Getreide weniger Rauch zuführt (kleineres Feuer oder kürzere Dauer) wird der Whisky natürlich entsprechend weniger rauchig oder torfig.

Wie kann ein Whisky gleichzeitig rauchig und süß sein?

Rauchiger Whisky entsteht in der MälzereiDesöfteren habe ich auch schon die Frage gehört, wie es denn sein kann, dass Whisky gleichzeitig süß und rauchig sein kann. Auch hier liegt die Antwort wieder in der Herstellung. Rauchige Aromen kommen – wie wir ja gerade gelernt haben – vom räuchern beim mälzen des Getreides. Die süßen Aromen entstehen aber bei einem anderen Schritt in der Herstellung: Der Lagerung. Whisky wird in der Regel nachdem das Destillat fertig ist in Fässern gelagert (daher kommt auch die Jahresbezeichnung beim Whisky – diese beschreibt, wie lange das Destillat mindestens im Fass war). Oftmals werden hierzu alte Sherryfässer verwendet. Das Destillat löst also während der Lagerung die süßen Aromen, die auf der Innenseite des Sherryfasses „festkleben“, los. So gelangen die süßen Aromen in den Whisky. Dass heisst, dass die beiden Aromen in zwei verschiendenen Herstellungsschritten in den Whisky gelangen und ein Whisky durchaus süß und rauchig gleichzeitig sein kann!

Ist rauchiger Whisky der bessere Whisky?

Eine Darre bei der Herstellung von rauchigem WhiskyAuch bei der Frage, ob rauchiger Whisky der bessere Whisky sei, scheiden sich die Geister. Wer meinen Blog aber schon eine Weile verfolgt, der weiß, wie ich es mit der Beschreibung „besser“ halte: Gut ist, was einem selbst schmeckt. Es gibt kein richtig oder falsch, man kann nicht sagen, dass rauchiger Whisky der bessere Whisky ist, ich kann ja auch nicht sagen, dass ein Husky ein besserer Hund als ein Schäferhund ist. Die einen mögen es so, die anderen eben so. Daher denke ich, dass jeder sich seinen eigenen Geschmack bilden und einfach verschiedene Dinge ausprobieren sollte.

Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick in die Welt der rauchigen Whiskies geben und Euch vielleicht für einen meiner drei Favoriten begeistern. Falls Ihr noch mehr Inspiration sucht, könnt Ihr auch gerne mal bei meinen Top 10 der schottischen Single Malts vorbeischauen!

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