Eine kurze Anleitung zum Thema Whisky trinken

Kurz nach meinem 18. Geburtstag hat mir ein guter Freund eine Flasche Jack Daniels geschenkt, die wir uns so gleich mit ein paar weiteren Kumpels als „Kurze“ zu Gemüte geführt haben. Es ging nicht um den feinen Geschmack, sondern eher darum, so wenig wie möglich davon aufzunehmen und die Flüssigkeit so schnell wie möglich runterzuschlucken. Heute – knapp 13 Jahre später, schüttle ich den Kopf über den 18-jährigen Freddy, zumindest was den Konsum von Whisky angeht. Nicht sehr stilvoll. Die für mich „richtige“ Methode Whisky zu trinken habe ich mir erst über die Jahre angeeignet. Natürlich muss jeder selbst entscheiden, was für Ihn der richtige Weg ist. Ich möchte heute mein Wissen aus den letzten 13 Jahren weitergeben, damit ihr hoffentlich nicht die gleichen Fehler wie ich damals macht und schnell in die wunderbare Welt des Geschmacks eintauchen könnt.

Eine Whisky-Verkostung läuft aus meiner Sicht grob in vier Phasen ab: Die Bewertung der Farbe und des Aussehens, des Geruchs (der sogenannten „Nase“), des Geschmacks und des Abgangs.

Bevor Ihr aber mit der Verkostung beginnt, solltet Ihr Euch zunächst Gedanken über die Wahl des richtigen Glases machen. Hier habe ich vor kurzem einen dazu Artikel geschrieben. Habt ihr das richtige Glas für Euch gefunden, kann die Verkostung beginnen.

Aussehen und Farbe

Aussehen und Farbe

Aussehen und Farbe variieren

Schenkt den Whisky in das Glas ein und schaut ihn Euch genau an. Achtet dabei auf die Farbe. Ist sie hell und fast wässrig oder geht sie in eine dunkle, bernsteinfarbene Richtung? Eine gute Analogie sind hier Tees: das Farbspektrum reicht in etwa von dunklem Pfefferminztee bis zu dünnem grünen Tee. Dunkle Whiskys stammen vermutlich aus Fässern europäischer Eiche, in denen zuvor Sherry war. Helle Whiskys wurden wahrscheinlich in amerikanischen Fässern gelagert, in denen zuvor Bourbon war. Schwenkt den Whisky jetzt ein wenig im Glas hin und her und stellt mit dieser Bewegung die Textur fest. Dies tut man, indem man beobachtet, wie der Whisky an der Wand des Glases herunterläuft. Dauert es lange und läuft die Flüssigkeit ölig an der Glaswand nach unten? Dann ist die Textur relativ dick. Läuft der Whisky schnell ins Glas zurück ist die Textur dünn. Je dicker die Textur, desto höher ist der Alkoholgehalt des Whiskys. Grundsätzlich ist es schwierig, vom Aussehen auf Geschmack oder Geruch Rückschlüsse zu ziehen, da die Farbe zum Teil auch durch den Einsatz von Farbstoff verändert wird. Deshalb können uns hier nur unsere Nase und unser Gaumen weiterhelfen.

Geruch

Führt das Glas jetzt also langsam an die Nase heran und riecht am Whisky. Die Nase sollte dabei nahe genug am Glas sein, dass alle Aromen aufgenommen werden können. Wenn der Geruch in der Nase zu brennen anfängt, merkt Ihr, dass ihr zu nahe am Glas seid. Lasst also immer ein kleines bisschen Platz, so dass beim Einatmen neue Luft in das Glas strömen kann.

Am besten versucht Ihr jetzt schon einige Aromen herauszuriechen. Als einfachen Einstieg könnt Ihr zunächst darauf achten, ob der Whisky rauchig, torfig oder nach Tabak riecht. Falls nicht könnt Ihr vielleicht schon erkennen, ob der Whisky eher eine nussige oder eine süßliche Note hat. Behaltet den Geruch im Hinterkopf.

Geschmack

Whisky Tasting

Whisky Tasting

Nachdem Ihr beim Riechen die ersten Aromen aufgenommen habt, nehmt Ihr nun Ihren ersten Schluck aus dem Glas. Lasst den Whisky auf die Zunge laufen und bewegt ihn dann im Mund hin und her, so dass er alle Bereiche Ihrer Mundhöhle berühren kann. Lasst den Whisky im Mund ein wenig warm werden und versucht, einzelne Aromen herauszuschmecken. Schluckt die Flüssigkeit jetzt herunter. Anschließend kann man eine kleine Menge Wasser – einige Tropfen genügen – in das Glas geben. Nehmt einen weiteren Schluck und vergleicht den Unterschied. Oft werden durch das Verdünnen einzelne Aromen präzisiert und sind besser herauszuschmecken. Entgegen der landläufigen Meinung einiger Experten ist es nicht verpönt, den Whisky mit Wasser zu verdünnen. Beim Wasser solltet Ihr darauf achten, dass Ihr kein Leitungswasser verwendet, da dies den Geschmack verfälschen kann. Am besten nehmt Ihr ein stilles, natriumarmes Mineralwasser.

Wenn Ihr den Whisky im Mund habt, versucht genau wahrzunehmen, welche Geschmacksnoten Ihr schmecken. Falls Ihr Euch nicht sicher seid, schaut auf die Flasche oder den Karton. Hier schreiben die Hersteller meist etwas über die Aromen. Versucht diese nachzuschmecken.

Erinnert Ihr Euch daran, was Ihr beim Riechen wahrgenommen habt? Wahrscheinlich ist der Geschmack dem Geruch nicht unähnlich. Versucht jetzt weiter zu präzisieren: War der Whisky rauchig? Ist es eher ein Geschmack von Tabak? Schärfe? Eine Note von Wein? War der Geruch nussig? Ist der Geschmack malzig? Oder mehr wie Honig? War der Geruch süßlich? Schmeckt Ihr vielleicht zuckerige Aromen heraus, so wie von Marzipan? Oder eher eine blumige Süße? Oder vielleicht Früchte wie Orangen oder Pflaumen?

Ein Whisky kann natürlich nicht nur diese Aromen annehmen, er wird aber immer stark in eine oder eine Mischung aus zwei dieser Richtungen tendieren.

Die letzten 13 Jahre haben mich folgendes gelehrt: Man sollte nicht frustriert sein, wenn das Herausschmecken dieser feinen Unterschiede zu Anfang nicht gleich gelingt. Wie bei so vielem im Leben macht hier auch Übung den Meister, und je mehr verschiedene Whiskys Ihr versucht, desto klarer werden Euch wahrscheinlich die verschiedenen Geschmacksnuancen.


Abgang

Schluckt den Whisky jetzt herunter und beobachtet, was in Eurem Mundraum und der Speiseröhre vor sich geht. Bleibt ein warmes Gefühl zurück? Eventuell ein Kribbeln? Vielleicht auch ein leichtes Stechen, das fast schon unangenehm ist? Atmet jetzt ein und versucht nochmal zu schmecken. Bestätigt sich der Geschmack, den Ihr hattet, als Ihr den Whisky noch im Mund hattet? Oder kommen vielleicht nochmal andere Aromen durch? Es kann passieren, dass Ihr keine neuen Aromen feststellt – das ist kein Problem. Sollte das der Fall sein hilft es, sich beim Abgang vor allem auf die Länge und das Gefühl im Rachen zu konzentrieren. Bleibt der Geschmack lange im Mund vorhanden oder verfliegt er schnell wieder? Die Länge des Nachgeschmacks ist dabei oft ein Zeichen von Qualität: Je länger der Nachgeschmack im Mund bleibt, desto hochwertiger ist ein Whisky in der Regel. Dabei muss nicht jeder Abgang angenehm sein, achtet, wie erwähnt, auf das Gefühl im Rachen. Ist der Abgang weich und samtig? Oder spürt Ihr eher ein Kratzen im Hals?

Abschließende Worte

Whisky BarrellsWer möchte, macht sich zu diesen vier Schritten Notizen. Das kann Euch helfen, wenn Ihr verschiedene Whiskys vergleicht und Euren Favoriten bestimmen möchtet. Auch bei Whisky-Tastings wird man oft aufgefordert, sich Anmerkungen zu machen. Apropos Tastings: Gerade als Anfänger hört man bei Tastings oft von den wildesten Aromen – ich konnte mir bei meinem Ersten das Lachen kaum verkneifen, als mein Nebenmann von Heidekraut und Bonbons erzählte. Es ist wichtig, dass man sich von solchen Kommentaren nicht beeindrucken oder gar einschüchtern lässt, jeder schmeckt anders und nicht jeder hat einen dermaßen geübten Gaumen, um feinste Nuancen herauszuschmecken. Wichtig ist, dass man sich auf das konzentriert, was man tatsächlich schmeckt!

Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick geben, wie man einen Whisky verkosten kann und hoffe natürlich auch, dass ihr nicht die Fehler des 18-jährigen Freddy wiederholt, sondern bald selbst zum Whisky-Experten werdet! In diesem Sinne: Lasst es Euch schmecken.


Images by Sascha Wenninger, Neil Wilkie, Iarsomat and Opus Hotels under CC BY-SA 2.0