• Das richtige Whisky Glas

Das richtige Whisky Glas finden

Über Whiskygläser habe ich mir anfangs keine großen Gedanken gemacht. Zunächst dachte ich, dass die Whisky Tumbler, die man in vielen Hollywoodfilmen sieht der richtige Weg sind, Whisky zu trinken. Oft sieht man dann auch, dass der Whisky ganz lässig auf Eis getrunken wird. Das sieht zu Anfang ungemein cool aus, ist aber für gute Whiskys nicht der optimale Ausgangspunkt. Die dickwandigen Tumbler verhindern, dass sich Wärme von außen auf den Whisky im inneren des Glases überträgt. Viele Aromen entfalten sich aber erst so richtig, wenn das Getränk in etwa Zimmertemperatur hat. Dementsprechend erklärt sich auch, warum Eis nicht gut für den Whiskygenuss ist: Viele der Aromen bleiben durch die fehlende Temperatur verborgen. Weiterhin hat Eis auch den Nachteil, dass der Whisky durch das Abschmelzen des Eises im Glas verwässert, also seine ursprüngliche geschmackliche Zusammensetzung verliert.

Übersicht

Im folgenden möchte ich eine kurze Übersicht über die verschiedenen Arten von Whiskygläsern geben, weiter unten werden die Gläser und deren Vor- und Nachteile dann nochmal ausführlich behandelt.

GlasVorteileNachteileRatingempfohlenes Produkt
The Glencairn Glas Whiskey Gläser 2er Set/Whisky Glas mit 190 ml Fassungsvermögen/edle Whisky Gläser aus hochwertigem Kristallglas/Whisky Gläser Set spülmaschinentauglich
Glencairn Glas
+ optimal um Aromen einzufangen
+ liegt gut in der Hand, ohne Handwärme weiterzuleiten
+ edles Design
+ robuste Verarbeitung
- läuft in der Spülmaschine an
- sollte von Hand gespült werden
5 SterneThe Glencairn Glas Whiskey Gläser 2er Set/Whisky Glas mit 190 ml Fassungsvermögen/edle Whisky Gläser aus hochwertigem Kristallglas/Whisky Gläser Set spülmaschinentauglich
Stölzle Lausitz Glencairn Glas

Nosing Glas mit Stil
+ Elegantes Glas
+ Optimal fürs Aroma
+ Whisky wird durch Handwärme nicht warm
- Anfällig für Bruch
- sollte von Hand gespült werden
4.5 Sterne
Spiegelau Snifter
Arcoroc ARC J3312 Islande Whiskyglas, 200 ml, Glas, transparent, 6 Stück
Whisky Tumbler
+ auch für andere Drinks und Cocktails geeignet
+ Breite Öffnung für alle, die Whisky auf Eis trinken möchten
+ James Bond Feeling
- Aromen gehen verloren4 SterneWMF Easy Plus Gin Gläser Set 6-teilig, Tumbler Glas 300 ml, Whisky Gläser, spülmaschinengeeignet, bruchsicher
WMF Whiskybecher
RIEDEL 4400/80 Sommeliers Single Malt Whisky, Whiskyglas, Kristallglas
Kelch / Tulpe
+ Whisky kann gut atmen
+ Läuft gut in den Mund
+ Aromen sind deutlich zu erkennen
- hoher Preis
- Je nach Produkt zu große Öffnung; Aromen verfliegen zu leicht
3 SterneRIEDEL 4400/80 Sommeliers Single Malt Whisky, Whiskyglas, Kristallglas
Riedel 4400/80

Wie versprochen nun die Auflistung der Vor- und Nachteile in Textform – und welches Glas für welchen Whisky passt.

Whisky Tumbler

Tumbler

James Bond mit einem Tumbler

Wer nicht auf das Hollywood-Feeling verzichten möchte greift zum Beispiel zum Tumbler von WMF. Wer es ein bisschen individueller haben möchte sollte sich auch das Whiskyglas mit Namensgravur von Privatglasanschauen. Der Tumbler ist vom Prinzip her ein gerades Glas, meist mit einem dicken Boden. Der Tumbler hat den Nachteil, dass die Aromen nicht optimal mit der Nase aufgenommen werden können, da sie nicht gleichmäßig aus dem Glas ausströmen. Tumbler werden hauptsächlich in den USA verwendet, ein Schelm wer hier denkt, dass bei der Qualität mancher amerikanischer Whiskeys vielleicht sogar gewollt ist, dass nicht alle Aromen in der Nase ankommen.

Nach oben zulaufende Tumbler

Mittlerweile tut sich auch im Bereich Tumbler etwas: Villeroy und Boch sowie Normann Copenhagen haben im letzten Jahr jeweils neue Whiskytumbler herausgebracht, die nach oben hin zulaufen, ähnlich wie bei einem Nosingglas. Das ganze bietet den Vorteil, dass nicht so viele Aromen wie beim klassischen Tumbler verloren gehen. Der Nachteil ist allerdings, dass die Handwärme trotzdem am Glas ankommt. Das ganze wäre zu verschmerzen, wenn die Tumbler nicht als Lifestyle Gläser verkauft würden und dementsprechend teuer sind. Vom Konzept her also eine gute Alternative zum Nosing-Glas, vom Preis her leider nicht.

Nosing-Gläser / Glencairn Gläser

Glencairn Nosing Glas

Glencairn Nosing Glas

Wer es mit der Verkostung ein wenig ernster meint, für den sind sogenannte Nosing-Gläser besser geeignet. Diese Gläser sind tulpenförmig und verjüngen sich nach oben hin, meist mit einem Stiel oder einem dicken Glasstück am unteren Teil des Glases. Dies verhindert, dass sich zu viel Handwärme auf den Inhalt des Glases überträgt. Die Verjüngung des Glases hat den Effekt, dass sich die verdunsteten Aromen besser im Glas halten und es leichter ist, den Geruch in die Nase zu bekommen um die verschiedenen Komponenten wahrzunehmen. Oft öffnen sich Nosing-Gläser am Rand auch wieder leicht. Dies bewirkt, dass der Whisky beim Trinken breiter auf die Zunge laufen und so möglichst gut im Mund aufgenommen werden kann.

Der Klassiker unter den Nosing-Gläsern ist das sogenannte Glencairn Glas, das von verschienden Firmen hergestellt wird. Ein guter Kauf ist hier das Glas von Stölzle. Das Glas ist stabil und bietet alle oben aufgeführten Merkmale, ist daher optimale für die Whiskyverkostung geeignet. Das Glas ist spülmaschinenfest und dementsprechend einfach zu reinigen.

Gläser mit Stiel

Spiegelau Whisky Snifter

Spieglau Whisky Snifter

Wie beim auch beim Nosing-Glas sind Gläser mit Stiel in der Regel bauchig und verjüngen sich zum Glasrand. Der Stiel dient dazu, dass die Handwärme den Whisky nicht beeinflusst. Meist sind Stielgläser lang gezogen, was dafür sorgt, dass der Alkohol eher im Glas bleibt und die Aromen deutlicher an der Öffnung wahrzunehmen sind.

Wer ein Glas mit Stiel ausprobieren möchte dem sei der Snifter von Spieglau ans Herz gelegt. Das Glas ist trotz seiner fragilen Form sehr stabil und auch spülmaschinenfest, die Form ist für den Whiskygenuss optimal.

Ich persönlich bevorzuge das Glencairn Glas, da ich Gläser mit Stil für den Whiskygenuss übertrieben halte. Hier wird der ein oder andere hartgesottene Experte aber sich nicht meine Meinung teilen. Wie sieht es bei Euch aus? Ich freue mich über Eure Kommentare!

Bonus: Andreas von derwhisky.de hat einen ausführlichen und unterhaltsamen Foreneintrag über eine ganze Reihe von Whiskygläsern geschrieben. Wer also richtig tief eintauchen möchte, sollte hier vorbeischauen.

Update 2016

Auch wenn alles was ich oben geschrieben habe immer noch stimmt, habe ich in den letzten 2 Jahren, seit der Artikel online ist, einige Entdeckungen im Bereich Whiskygläser gemacht, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Zunächst hat mir meine Frau das sündhaft teuere Riedel 4400/80 Glas geschenkt, das ich mir selbst nie gekauft hätte. Das Glas – oder besser: der Kelch – ist ganz vorzüglich und liegt super in der Hand. vor allem läuft der Whisky aber richtig schön heraus. Ich habe es nicht glauben wollen, aber nachdem ich zweimal einen Lagavulin 16 aus verschiedenen Gläsern verkostet habe, meine ich doch einen Unterschied zu schmecken – die Süße kommt ein wenig mehr durch und der Alkohol ist erst später zu schmecken. Das kann natürlich aber auch alles Einbildung sein 😉 Wer das nötige Kleingeld hat, oder ein exclusives Geschenk für einen Whisky-Experten sucht, der kann das Glas durchaus kaufen. Für den normalen Gebrauch halte ich es aber doch ein wenig übertrieben und würde weiterhin zum Glencairn Glas greifen. (Ich benutze es natürlich – da ich es jetzt ja habe. Ich hätte es mir aber nie extra gekauft)

Apropos Geschenke: Ein guter Freund hat mich auf folgendens Geschenkset aufmerksam gemacht: Glencairn Tasting Set mit Krug. Vielleicht ja eine spassige Idee, für alle, die ein Whiskytasting veranstalten möchten 🙂

Update 2017

Ich habe den freundlichen Hinweis bekommen, dass eine Tabelle der Übersicht helfen könnte, da die Textform alleine wohl zu „langatmig“ war. Natürlich gehe ich immer gerne auf Eurer Feedback ein, dementsprechend habe ich obene eine Tabelle sowie zur besseren Navigation ein Inhaltverzeichnis eingefügt. Ich hoffe, das hilft dem ein oder anderen bei der Auswahl des richtigen Glases!

2018-02-09T14:46:49+01:00

About the Author:

Freddy liebt vor allem milde, schottische Whiskies, es darf aber auch mal rauchig sein. Er schreibt seit 2014 mit Begeisterung über alles, was mit dem "Wasser des Lebens" zu tun hat. In seiner Freizeit wandert er viel mit seiner Frau und seinen beiden Kindern.

6 Kommentare

  1. Bernd Chr. Müller 28. September 2015 um 16:14 Uhr - Antworten

    Bevorzuge ebenfalls das Glencairn Nosing Glas, weil es einfach toll aussieht, praktisch zu handhaben ist und man gezieltes Nosing betreiben kann. Die Stilgläser, mit welchen man natürlich letzteres ebenfalls ausüben kann, muten für mich immer wie verhinderte Sekt- oder kleine Weingläschen an. Bei speziellen Tastings sind sie wohl ok, zuhause muß ich sowas nicht haben, wenngleich ich wohl bald zumindest eines bekomme, da gerade in einem Supermarkt um die Ecke der Laphroaig Quarter Cask zusammen mit so einem Gläschen im Angebot ist. 😉

    Zusammen mit meinem ersten Whisky nach 3 Jahrzehnten bekamm ich auch 2 Tumbler zu meinem Bushmills 10y dazu. Die sind allerdings wirklich aufgrund ihrer eckigen Beschaffenheit nicht besonders gut zu händeln und es kommt keine Whisky-Nosing Gefühl auf. Deshalb stehen sie nur rum bei mir. Mchen sich aber mit der Bushmills Prägung durchaus gut in unserer Glasvitrine.

  2. Pascal 10. Dezember 2017 um 13:14 Uhr - Antworten

    Hi,
    ein Freund von mir meinte, das man Whisky am allerbesten aus Schnapsgläsern trinkt…kannst du da zustimmen??
    Nach einem Versuch bin ich nämlich geteilter Meinung.

    Gruß

    • Freddy 23. Januar 2018 um 13:24 Uhr - Antworten

      Ich trinke ihn am liebsten aus Nosing-Gläsern, weil so die Aromen am besten rauskommen und an der Nase konzentriert werden. Beim klassischen Schnapsglas bekommt man aus meiner Sicht viele Aromen nicht mit. Aber das muss natürlich ein Stück weit jeder für sich selbst entscheiden. Ich empfehle immer ein Nosing-Glas.

  3. Ulrike 16. Januar 2020 um 11:18 Uhr - Antworten

    Ich persönlich trinke meinen Scotch am liebsten aus einem Tumbler Glas. In diesem kann sich das Aroma gut entfalten und es ist außerdem stilsicher. Ein Freund von mir ist ein unglaublicher Whisky Liebhaber. Für ihn haben wir eine Glasschleiferei in Klagenfurt am Wörthersee aufgesucht, bei der wir ein Set an Tumbler Gläsern für seinen Geburtstag bestellt haben. Er hat sich riesig darüber gefreut und wir haben einmal in der Woche eine Whisky Sitzung bei ihm!

  4. Martin 6. Juli 2020 um 17:24 Uhr - Antworten

    Mittlerweile habe ich einige Gläser ausprobiert und bevorzuge ein Nosing Glas, welches ich so zuvor noch nicht gesehen habe. Es handelt sich um ein Glas von der Marke „Sir Finley Monkey“. Bisher habe ich mein Glencairn genutzt, muss sagen das mir das neue Glas optisch etwas besser gefällt und auch die sensorischen Eigenschaften überzeugen. Auf jeden Fall vom Design mal etwas anderes aber das ist bekanntlich ein subjektiver Aspekt 😉

    @Freddy, vielen Dank für den wertvollen Content, hat mir zur Orientierung sehr weitergeholfen. Mich würde mal interessieren, ob das besagte Glas dich ebenfalls überzeugen kann? Wird es nochmal ein Update von dem Test geben?

  5. Heiner 27. Juli 2022 um 20:41 Uhr - Antworten

    Vielen Dank für die Mühe mit dieser Seite. Nach Jahrzehnten bin ich durch einen geschätzten Menschen wieder auf den Geschmack gekommen. Seine kleine Auflage eines Highland Single Malt Scotch Whisky „verlangt“ nach einem angemessenem Glas, der auch die Nase unterstützt

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