• Kommt es wirklich aufs Alter an?

Kommt es wirklich aufs Alter an?

Eine Frage die häufig über Single Malt Whisky aufkommt ist, ob es wirklich auf das Alter ankommt. In der Regel werden Whiskys immer teurer, je älter sie sind. Aber bedeutet älter immer gleich besser?

Zwei Dinge stehen fest: Erstens, je älter ein Whisky, desto seltener ist er. Zweitens, je älter ein Whisky, desto teurer ist er. Während der 12-jährige Highland Park für ca. 35 Euro zu haben ist, kostet sein 25-jähriger Bruder derzeit knapp 360 Euro auf amazon.

Was macht den Whisky teuer?

Es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb ältere Single Malts teurer sind. Je länger ein Whisky im Eichenfass reift, desto mehr Flüssigkeit geht durch Verdunstung verloren – man nennt diesen Verlust den „Angels Share“. Zu den Anfängen der Whiskyherstellung konnte man sich nicht erklären, warum nach einigen Jahren weniger Flüssigkeit im Fass war als zu Beginn. Man dachte, die Engel haben sich ihren Teil genommen. Die meisten Brennereien verlieren in etwa 2% des Fassinhaltes pro Jahr. Nach 25 Jahren sind in einem typischen Whiskyfass – welches 225 Litern fasst – gerade mal 135 Liter Whisky übrig, der Rest ist verdunstet.

Außerdem ist natürlich zu berücksichtigen, dass 25 Jahre eine lange Zeit von Herstellung bis Abfüllung ist. Manchmal reift der Whisky auch in verschiedenen Fässern, wird also während der Reifung umgefüllt. Geduld und Expertise haben ihren Preis.

Kommt es also wirklich auf das Alter an?

Grundsätzlich gibt es in der Whisky-Industrie zwei Philosophien. Diejenigen, die auf das Alter Wert legen und diejenigen, die dies nicht tun. Die meisten großen Abfüller bringen eine Linie ihrer Whiskys auf den Markt, die sich im Alter unterscheidet, 10, 12, 15 Jahre und so weiter. Oftmals haben die einzelnen Whiskys noch einen eigenen Namenszusatz, der 15-jährige Glenfiddich heißt beispielsweise Solera, Bowmore stellt einen speziellen 12-jährigen Single Malt her, der den Namenszusatz Enigma trägt.

Auf der anderen Seite gibt es die Vertreter der „Es kommt nicht aufs Alter an“-Front, beispielsweise Macallen. Hier hat man angefangen, die Altersbezeichnung abzuschaffen und den Single Malts Namen wie Fine Oak oder Sherry Oak zu geben. Dort sagt man, dass man verschiedene Käuferprofile und Geschmäcker ansprechen möchte, anstatt die Whiskys nach Altersklassen zu bewerten.

Die Antwort auf die Frage

Ältere Whiskys sind sicherlich komplexer und haben mehr Tiefgang als ihre jüngeren Kollegen. Eine schöne Analogie ist hier das Einkochen einer Soße, je länger ich diese koche, desto dicker und intensiver im Geschmack wird sie. Je länger der Whisky im Fass bleibt, desto mehr kann er dessen Aromen aufnehmen.

Die Antwort auf die Frage, ob es beim Whisky auf das Alter ankommt ist also ein klares ja: Zumindest beim Preis bedeutet älter immer teurer. Aber ob dies einen Whisky auch besser macht liegt wohl immer im Auge des Betrachters.

Was meint Ihr? Ist älter immer besser? Welches ist euer Lieblingswhisky, der schon viele Jahre auf dem Buckel hat? Ich freue mich über Eure Kommentare!



2017-03-20T21:21:25+00:00

About the Author:

Freddy liebt vor allem milde, schottische Whiskies, es darf aber auch mal rauchig sein. Er schreibt seit 2014 mit Begeisterung über alles, was mit dem "Wasser des Lebens" zu tun hat. In seiner Freizeit wandert er viel mit seiner Frau und seinen beiden Kindern.

5 Kommentare

  1. Oli 6. Februar 2015 um 22:46 Uhr - Antworten

    Der 12 jährige Bowmore hieß/heißt nicht Enigma 😉

  2. Freddy 9. Februar 2015 um 21:21 Uhr - Antworten

    Hallo Oli, das ist natürlich richtig und war von mir nicht ganz präzise ausgedrückt, ich habe das mal geändert. Danke für den Hinweis!

  3. Riccardo Berg 20. November 2015 um 11:27 Uhr - Antworten

    Grundsätzlich finde ich nicht, dass es bei Qualität ausschließlich aufs Alter ankommt. Aber inzwischen bieten viele Destillerien NAS-Whiskys zu masslos überteuerten Preisen an. Da würde ich dann schon gerne wissen, was ich für mein Geld bekomme.
    Natürlich können NAS auch sehr lecker sein, aber wenn man dem Kunden keinerlei Anhaltspunkt bietet, was für Whiskys verwendet wurden, ist letztlich unverhältnismäßiger Geldmacherei Tür und Tor geöffnet – vor allem, wenn dann noch E150a zum Einsatz kommt.

  4. Gordon 27. Mai 2017 um 13:08 Uhr - Antworten

    Auf den Anlass kommt es an ……..
    …..und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden ! (oder so ähnlich)

    Nein, jetzt ‚mal ehrlich: Ich habe schon einige Whisky’s gekostet. Teilweise schmecken mir Abfüllungen jüngeren Datums hervorragend. Ein Beispiel. Vor geraumer Zeit hatte ich mir jeweils eine Flasche von dem 10-jährigen Jura und einen 12-jährigen Glenlivet gegönnt. Der Jura schmeckte mir um Längen besser, er besaß deutlich mehr Tiefgang und zahlreichere Geschmacksnoten. Natürlich spielt auch immer die eigenen geschmacklichen Präferenzen eine nicht zu vernachlässigende Rolle. So habe ich bei dem Glenlivet ähnlich florale und (zitrus-) fruchtige Noten festgestellt wie bei zahlreichen anderen günstigen Vertretern der Massenware-Produzenten, während mir der Jura neue, ungeahnte Aromen bescherte. Man muss aber hier aber auch sagen, dass bei den zwei Jahren Altersunterschied die, durch das Alter geprägten geschmacklichen Unterschiede nicht so deutlich ins Gewicht fallen.Wenn ich den vorgenannten Vertretern allerdings einen 18-jährigen Glenfarclas gegenüberstelle, so schmecke ich sehr wohl einen altersbedingten Unterschied. Im Laufe der Jahre nimmt der Whisky mehr Aromen vom Holz des Fasses auf.
    So einfach ist die Formel allerdings auch nicht mehr: Einige Distillerien (z.B. Laphroiag) sind dazu übergegangen bestimmte Sorten in kleineren Fässern reifen zu lassen, sogenannten „Quartercasks“. Dadurch nimmt der Whisky sehr viel schneller das Aroma des Fasses an und schmeckt nach deutlich kürzerer Reifezeit deutlich „eichiger“.
    Letztendlich entscheidet der Geschmack und manchmal auch der Anlass: An einem lauschigen Sommerabend weiß ein einfacher 12-jähriger Glenfiddich mit seiner unkomplizierten fruchtigen Birnennote durchaus zu gefallen, während man sich an einem kalten Winterabend vielleicht eher einer „Sherrybombe“, wie z.B. den 18-jährigen, oder den 21-Jährigen nähert.

    • Gordon 27. Mai 2017 um 15:43 Uhr - Antworten

      ……. ich meinte natürlich den Glenfarclas am Ende des Beitrags!

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