Whisky Destillerien: Wo sich ein Besuch lohnt. Ein Reisebericht von 2017

Im September 2017 besuchte ich bereits das zweite Mal das wunderschöne Schottland. Nicht nur weil ich großer Whisky-Liebhaber bin, sondern mir das Land bei meinem ersten Besuch im Jahr 2015 bereits sehr gut gefallen hatte. Tolle Landschaften, ein sehr besonderes Wetter, die unendliche Weite und natürlich die faszinierende Hauptstadt Edinburgh.

Zusammen mit einem guten Freund, welcher ein noch weitaus passionierter Whisky-Kenner als ich ist, machte ich mich auf den Weg nach Amsterdam, wo wir mit dem eigenen Auto auf der Fähre über Nacht den Ärmelkanal in Richtung Newcastle überquerten.

Unser Ziel war klar: Wir wollen so viele Whisky-Destillerien wie möglich besuchen. Bereits 2015 hatten wir einen Roadtrip quer durch Schottland gemacht, bei dem wir mehr als 15 Whisky Brennereien besuchten, teilweise mit Führung. Wir besuchten unter anderem die Brennerei Talisker auf der Isle of Skye und unternahmen einen Tagesausflug auf die Insel Islay, wo wir eine Führung bei Bowmore machten, welche ich übrigens sehr empfehlen kann. Auch die anderen Brennereien wie Lagavulin und besonders Ardbeg fanden wir sehr spannend.

Dieses Jahr sollten es am Schluss wohl um die 20 Brennereien werden, die wir besucht haben. Ich möchte in diesem Artikel kurz auf meine Erfahrungen eingehen und euch einige Tipps zu den einzelnen Brennereien geben. Dabei fokussiere ich mich lediglich auf die wichtigsten unserer Reise. Beachte aber bitte, dass es sich lediglich um meine persönlichen Erfahrungen handelt und die Qualität einer Führung natürlich auch vom Tourguide und der Tagesform abhängig ist. Whisky Touren ist ebenso wie der Geschmack eine sehr persönliche Note, die nur schwer pauschalisiert werden kann.

Die Lowlands

Eine der ersten Brennereien auf unserem Weg war die Glenkinchie-Distillery. Diese gehört zum Konzern Diageo und hat ein brandneues Besucherzentrum, was uns wirklich sehr gut gefallen hat. Es gibt dort eine komplett nachgebaute Whisky-Produktion in Modellform, welche toll in Szene gesetzt wurde und den Herstellungsprozess wunderbar erläutert.

Glenkinchie Miniaturbrennerei

Die Führung wurde von einem sehr freundlichen Schotten gehalten, im Anschluss daran durften wir den Standard Glenkinchie sowie eine Limited Edition probieren, welche uns beiden sehr gut gefallen haben.

The Scotch Malt Whisky Society

Bar der Scotch Malt Whisky SocietyWährend unseres Aufenthaltes in Edinburgh statteten wir der Kaleidoscope Whisky Bar einen Besuch ab, in welcher Flaschen der Scotch Malt Whisky Society angeboten werden. Diese Flaschen werden aus Fässern von unterschiedlichen Brennereien abgefüllt und dann mit einem Nummerncode versehen. Die Abfüllungen heißen beispielsweise “Malaga raisin ice cream”. In der Bar dort konnten wir einige Exemplare probieren, welche uns alle sehr überzeugt haben. Für Whisky-Liebhaber definitiv ein Geheimtipp.

Die Highlands

Nachdem wir uns in Edinburgh alles wichtige angeschaut haben, setzten wir unseren Weg nach Norden fort. Die ersten Zwischenstopps machten wir bei den Brennereien Deanston und Tullibardine. Bei beiden entschieden wir uns aber gegen eine Führung, das Besucherzentrum von Deanston lohnt sich aber definitiv, da die Brennerei auch schön an einem Fluss gelegen ist.

Unsere nächste Führung nahmen wir beim nächsten Stopp, der Dalwhinnie Distillery. An dieser Stelle einen kleinen Tipp: Ihr könnt euch kostenlos bei den Friends of the classic malt registrieren und bekommt dann in vielen Brennereien, die zum Konzern Diageo gehören, eine kostenlose Führung. Das lohnt!

Dalwhinnie ist die am höchsten gelegene Brennerei Schottlands und alleine daher ist ein Besuch schon fast Pflicht. Uns überzeugte nicht nur die Landschaft, sondern auch die Führung. Probieren durften wir dort zwar nur die Standard-Abfüllungen, immerhin gab es aber auch noch ein sehr leckeres Stück Schokolade sowie zwei Whisky-Gläser hinzu.

Aberlour Destillerie

Danach führte uns unser Weg in Richtung Aberlour, dem Zentrum der Speyside, wo wir mehrere Tage verbrachten. Die Speyside ist der Ort, an dem die meisten Distilleries liegen, alle nur wenige Kilometer voneinander entfernt.

Unser erstes Ziel war die weltbekannte Brennerei Macallan, welche seit einigen Jahren massiv am expandieren ist und riese Lagerhäuser sowie ein gigantisches Besucherzentrum errichtet. Dieses Gelände ist mit keiner anderen Brennerei in Schottland zu vergleichen. Eine Führung machten wir dort zwar nicht, verkosteten allerdings ein paar teurere Abfüllungen vor Ort. Der Mitarbeiter vor Ort erklärte uns sehr genau die Geschmäcker der einzelnen Whisky-Sorten. Daumen hoch! Interessant war auch, dass ein Japaner in unserer Gegenwarte für über 100.000 € Macallan Scotch kaufte und diesen stapelweise in seine gemieteten Transporter verlud. Bezahlt wurde übrigens bar.

Macallan
Macallen von außen

Ein wahres Highlight erlebten wir aber erst nach dem Besuch bei Macallan. Als großer Fan der sich im Privatbesitz befindlichen Brennerei Glenfarclas, war eine Führung dort ein absolutes Muss. Die Distillery ist landschaftlich sehr schön gelegen, interessant ist auch, dass der derzeitige Inhaber, George Grant, teilweise sogar selbst auf dem Gelände in einer kleinen Villa wohnt.

Ein Schmuckstück findet sich im Besucherzentrum. Der Tasting Raum wurde aus Teilen der RMS Empress of Australia zusammengebaut, welche im Jahr 1919 gebaut wurde und als Royal Yacht diente. Einen schöneren Raum um einen guten Whisky zu genießen kann man sich gar nicht vorstellen.

Besucherzentrum bei Glenfarclas

Die Führung bei Glenfarclas ging recht lange und wurde von einem sympathischen Australier geleitet. Weiterhin konnten wir im Besucherzentrum sogar die etwas teureren Abfüllungen kostenlos probieren. Im Gegensatz zu den Konzern-Brennereien, erlauben die kleineren Unternehmen es, Bilder während der Führung zu machen. Eine klare Empfehlung.

Anschließend verschlug es uns zur Brennerei Cardhu, wo wir ebenfalls sehr freundlich empfangen wurden. Eine Tour machten wir dort allerdings nicht, immerhin konnten wir jedoch kostenlos einen Cardhu unserer Wahl probieren.

Am nächsten Tag ging es weiter mit Glenfiddich, ebenfalls einer privat geführten Brennerei. Dort absolvierten wir bereits bei unserem letzten Besuch eine Führung, an welche uns wir sehr positiv erinnern. Das Besucherzentrum dort ist recht groß, es gibt eine eigene Cafeteria sowie einen sehr schön gestalteten Shop. Unserer Meinung nach sollte die Glenfiddich-Brennerei zu einem Schottland Besuch unbedingt dazugehören.

Ein weiteres Highlight fanden wir in der Aberlour-Distillery. Dort meldeten wir uns bereits am Vortag für eine exklusive Tour an, bei welcher wir auch die höherpreisigen Whiskys sowie einen New Make Spirit probieren konnten. Die Führung inklusive Tasting ging insgesamt über zwei Stunden und war sehr spannend.

Aberlour Tasting

Nach einer Zwangspause durch eine Autopanne statten wir der Speyside Cooperage einen Besuch ab. Dort wird ein Großteil aller Whiskyfässer produziert bzw. restauriert. Die Führung dort erhielten wir für kleines Geld, sie lohnte sich aber umso mehr. Spannend ist, dass die Coopers dort nicht nach Stundenlohn, sondern pro fertiges Fass am Tag bezahlt werden. Das Arbeitstempo dort ist enorm hoch.

Ein weiterer Geheimtipp ist die Brennerei Glenmoray, bei der wir uns einen vergleichsweise günstigen Scotch mit Weinfassreifung selbst abfüllten. Glenmoray ist eine eher noch unbekannte Brennerei, welche interessante Abfüllungen zu sehr erschwinglichen Preisen anbietet.

Immer weiter Richtung Norden unterwegs, statten wir noch einigen Brennereien einen Besuch ab: Balblair, Glenmorangie sowie Clynelish. Eine Führung machten wir allerdings nur bei Clynelish, da diese ebenfalls kostenlos für uns war. Dort ist besonders das alte Gebäude der Brora-Brennerei sehr interessant zu sehen.

Die Orkneys

Nach einer kurzen Überfahrt setzten wir unsere Reise auf den Orkney Inseln fort. Dort statten wir der mittlerweile sehr beliebten Destillerie Highland Park einen Besuch ab und buchten gleich eine Führung mit. Diese war sicherlich eine der besten, es wurden auch die Öfen gezeigt, in denen Highland Park noch selbst das Malz mit Torfrauch befeuert. Klare Empfehlung, allerdings sollte man wohl rechtzeitig eine Führung buchen, da die Nachfrage sehr groß ist.
Ofen bei Highland Park

Zurück nach Newcastle

Auf unserem Heimweg über die Küstenstraße 500 sowie über Ullapool und Fort William hielten wir noch bei Auchentoshan, der einzigen Brennerei in Schottland, welche dreifach destilliert. Die Führung dort unterschied sich nicht wesentlich von den anderen Führungen, spannend war sie allemal. Klare Empfehlung.

Besonders die Führungen der Konzern-Brennereien ähneln sich in ihrem Aufbau doch sehr, was mit der Zeit etwas nervig werden kann. Trotzdem hat jede Brennerei ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, welches man in den Führungen sehr gut erklärt bekommt.

Auchentoshan

Fazit – Bei welchen Brennereien lohnt sich ein Besuch?

Pauschal ist diese Antwort schwer zu beantworten, da jeder die einzelnen Führungen und Besuche wohl anders erleben wird. Meine drei Favoriten waren:

  • Glenfarclas
  • Highland Park
  • Glenfiddich

Grundsätzlich kann ich es aber nur jedem Whisky-Liebhaber empfehlen, so viele Führungen wie möglich machen. Jeder Tour Guide kann individuelle Tipps und Tricks sowie “Geheimnisse” über die Brennerei geben, was einfach super spannend ist.

Auf Führungen bei denen man teurere Abfüllungen zum Probieren bekommt, haben wir in der Regel eher verzichtet. Selten haben wir auch Flaschen direkt in der Brennerei gekauft, da sich das vom Preis her einfach absolut nicht lohnt. Handabgefüllte Single Cask Editionen, die es ausschließlich in der Brennerei gibt, können sich aber durchaus lohnen. Nicht nur aus Sammlergründen, sondern vor allem auch wegen dem Geschmack.

2017-11-20T16:27:36+00:00

About the Author:

Jannik Lindner ist Whisky-Kenner und Experte für Online Marketing. Auf seinem Portal kaufberater.io gibt er unter anderem wertvolle Tipps zum Thema Whisky und hilft bei der Kaufentscheidung.

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